Das Buntfenster des heiligen Stephanus

Stephanus aber, voll Gnade und Kraft,
tat Wunder und große Zeichen
unter dem Volk.
Apostelgeschichte Kap. 6 Vers 8

Gedenktage spielen in den liturgischen Kalendern evangelischer Kirchengemeinden keine große Rolle. Dabei gehörte das Stephanusfest einst zu den beliebtesten Festen im Volk; auf den 26. Dezember wurde es gelegt, um die Bedeutung des Weihnachtsfestes noch stärker zu betonen. Neben den Seefahrern, die den Kult um Stephanus in die Welt hinaustrugen, waren es im Hochmittelalter die deutschen Kaiser und Könige, die seine Verehrung weiter förderten und die ungarischen Herrscher schlossen sich dem an.

Um den Stephanustag entwickelte sich im Laufe der Jahrhunderte ein farbiges Brauchtum: so werden mancherorts „Pflastersteine“ als Weihnachtsgebäck gereicht, Symbol für die Steine, durch die Stephanus getötet wurde.

Wer war dieser bedeutende Christenmensch, den man so hoch ehrte, dass man seinen Gedenktag mit dem Weihnachtsfest verband? Nach der Apostelgeschichte ist Stephanus einer von 7 Diakonen – in der Lutherbibel Armenpfleger genannt -, die durch Handauflegung von den 12 Aposteln eingesetzt wurden und zu deren Aufgabe die Versorgung der Bedürftigen gehörte.
Später wird er von Christenverfolgern angeklagt, nach einer machtvollen Predigt zum Tode verurteilt und vor den Toren Jerusalems gesteinigt.

Durch die Weihnachtsgeschichte wird uns die Nähe und Verbundenheit Gottes mit dieser Welt eröffnet. Stephanus hat dies ausgedrückt durch tätige Nächstenliebe und geistliche Zurüstung. Und er wurde zum Hoffnungsträger dafür, dass Gott sich gegen eine gewalttätige Welt durchsetzt – denn die Christenverfolger, die ihn töten ließen, gewannen nicht die Oberhand.

Sein Name steht bis heute für Gradlinigkeit, Barmherzigkeit und Wahrhaftigkeit im Glauben an den durch Jesus Christus offenbarten Gott. Für eine Kirchengemeinde, die sich unter seinen Namen gestellt hat, ist dies Ermutigung und Verpflichtung gleichermaßen.

    Pfarrer Gerhard Zimmer, Schweinsberg

Literatur:
Manfred Becker-Huberti: „Feiern–Feste–Jahreszeiten“, Freiburg 1998
Vera Schauber / Hanns Michael Schindler: „Heilige und Namenspatrone im Jahreslauf“, Augsburg 1993